Seit 1999 verstärken die früheren (bzw. heutigen Gelegenheits-)TVKler Thomas Bohnet und Frank Heine die Münchner Freizeitliga-Mannschaft von Barfuß Jerusalem. Voraussichtlich 1987 gegründet – die beiden letzten aktiven Gründungsmitglieder sind sich uneins – ist Barfuß seit vielen Jahren fester Bestandteil der Royal Bavarian Liga und schaffte in diesem Jahr zum zweiten Mal den Aufstieg in die 1. Liga (von insgesamt vieren). Um die Herkunft des Namens ranken sich die verschiedensten Gerüchte: nicht zutreffend ist in jedem Fall, dass es sich um ein Zitat aus „Das Leben des Brian“ handelt. Verbrieft ist jedoch, dass Jupp Heynckes den Namen in seiner Zeit als Bayern-Trainer während einer Pressekonferenz ins Spiel brachte. Ob er uns damit meinte, als er kritisierte, seine Mannschaft habe gespielt „wie Barfuß Jerusalem“, sei dahin gestellt.

Was Spielphilosophie und -Charakter betrifft, sind Barfuß und der TVK Brüder im Geiste. Sogar dieselben Spielertypen finden sich an der Isar wie am Seerhein. Es gibt die technisch beschlagene, sich aber läuferisch geflissentlich in Zurückhaltung übende Diva mit der Nr. 10, den an Erfahrung und Gelassenheit alle überragenden ruhenden Pol auf der Außenbahn oder den wieselflinken, um kein Dribbling verlegenen Wirbelwind im Sturm. Mit Handkuss würden die Barfüßler indes das Kopfballungeheuer und den schier unüberwindbaren Torwächter im Toni-Turek-Gedächtnistrikot in ihren Reihen aufnehmen. Wobei: jeder TVKler wäre ein toller und auch willkommener Barfüßler! Auch was die Trikots anbelangt, steht Barfuß dem TVK nur wenig nach: dem Chelsea-Blue und dem herrlichen neuen rot-weißen Sheffield-United-Outfit (nochmals vielen Dank, Uwe!) setzten wir das Quasi-Original-Baumwolltrikot der Argentinier von der WM 1974 oder das rote Liverpool-ChampionsLeage-Gewinner Trikot entgegen. Und wenn wir die Gegner so richtig aus der Fassung bringen wollen, ziehen wir die geerbten orange-grünen Langarmhemden des TuS Bad-Westernkotten II an, den der Schwager eines Mitspielers führt. Die Glanztrikots im Chic der späten 80er weisen am rechten Arm einen derart geschickt platzierten grünschwarzen Querstreifen auf, dass es immer aussieht, als ob wir mit 10 Spielführern antreten. Unsere aus dem Tunesien-Urlaub importierten grünen Trikots mit der arabischen Werbung konnten wir dagegen nie benutzen, da bei deren versuchter Einführung unser Mittelstürmer seine Rot-Grün-Blindheit bekannte. Charakteristisch ist auch unsere hohe Doppelgänger-Quote: es gibt bei Barfuß einen Klinsi, der in Wahrheit aus dem Allgäu kommt, wir haben einen Rummenigge (der aber eher wie Schewchenko aussieht), und auch die Pendants zu Arne Friedrich und Markus Happe tummeln sich in unseren Reihen.

Ähnlich wie beim TVK ist auch bei Barfuß Jerusalem der sprichwörtliche Dilettantismus gelegentlich zum Greifen. Während sich der TV sicher geglaubte Punkte durch den Einsatz nicht spielberichtigter Schiedsrichter wieder selbst abspenstig macht, legt man bei Barfuß hin und wieder allzu großen Wert auf eine starke Bank. So geschehen vor rund fünf Jahren bei einem Liga-Spiel als Team-Captain Berthold Clewing die Mannschaftsaufstellung wieder einmal durch reine Subtraktion festlegte: Von vermuteten 15 Anwesenden (so viele hatten sich angemeldet) setzte er vier auf die Bank. Tatsächlich aber waren wir nur 14, spielten also zu zehnt. Erst nach rund 30 Minuten wurde das Malheur bemerkt, und zwar vom Gegner, der uns trotz 0:1-Rückstandes darauf hinwies.
Abgesehen von der räumlichen Distanz gibt es also nur wenig, was den TV Konstanz und Barfuß Jerusalem trennt. Und auch diese scheint nicht unüberwindbar, so dass es vielleicht doch einmal mit dem bereits vage in Betracht gezogenen Zusammentreffen auf dem Schänzle oder auch auf der Wiesn klappen sollte.
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