13.08.2008: Bezirkspokal 1. Runde: TV Konstanz - SV Reichenau 2:3 nach Verlängerung (2:2 / 0:0)
Aug 18, 2008
Author: Fabian Glasen
Die Mannschaft des TVK, nicht ganz in Bestbesetzung aber doch mit einer ordentlichen Mannschaft zu diesem Spiel angetreten, konnte durch hoch konzentriertes Spiel und durch hohe Lauf- und Kampfbereitschaft über weite Strecken die, wie es schien, potentiell lauf- und spielstärkere Mannschaft des SV Reichenau auf Augenhöhe halten.
Die erste Halbzeit endete mit 0:0. Insgesamt gab es über die gesamte Spielzeit, trotz hohem Tempo und ansehnlichem Spiel, auf beiden Seiten nicht viele zwingende Torchancen. Der TVK spielte wieder mit Libero und es zeigte sich, dass dadurch, wie schon im letzten Pflichtspiel der letzten Saison in Egg, die Abwehr sehr viel sicherer steht. Dies wurde bei diesem Spiel besonders deutlich an den wenigen Malen, bei denen Andreas Widmann als Libero sich ins Mittelfeld "fallen" liess. Daraus ergaben sich wohl keine Tore für den SV Reichenau, aber die ganze Abwehr wirkte in diesen Phasen viel wackeliger und anfälliger.
Die zweite Halbzeit zeigte ein bewegtes und ausgeglichenes Spiel, wobei der SV Reichenau insgesamt sehr hart und teilweise auch unfair zu Werke ging. Dadurch und durch ständuges Meckern bzw. kommentieren von Schiedrichterentscheidungungen verscherzten sie sich nach und nach die Sympathien des Schiedsrichters, was in der Folge zu 2 Platzverweisen und 2 korrekten Elfmetern gegen den SV Reichenau führte. Den ersten Elfmeter durch Armin super "herausgeholt" konnte Andreas Widmann leider nicht verwerten. Er war präzise ins, vom Schützen aus gesehen, linke untere Eck geschossen, aber leider zu durchsichtig und nicht hart genug, so dass der Torhüter parieren konnte. Der 2. Elfmeter konnte dagegen verwandelt werden. In der Folge kam der SV Reichenau allerdings zu 2 Toren, wobei der Torhüter des TVK bei einem Tor sehr unglücklich aussah. Danach machte der TVK etwas mehr Druck und kam kurz vor Ende der regulären Spielzeit noch zum fast nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich.
Anstatt in der Verlängerung das eigene Spiel auf die neue Situation (mit 2 Mann Überzahl) neu auszurichten (2:2 hätte dem TVK gereicht, um die nächste Runde zu erreichen), auf ein Spiel, bei dem man versucht den Ball zu kontrollieren, indem man den Gegner aus der Abwehr lockt und laufen lässt und immer Überzahlspiel in Ballnähe herstellt, bzw. die Räume nach hinten und zur Seite aufmacht, um sichere Anspielstationen zu haben, spielte man weiter mit zu vielen unpräzisen Bällen und sich daraus ergebenden Ballverlusten nach vorne, was auch prompt sehr schnell zu Beginn der Verlängerung zum 2:3 Rückstand führte. Nun war man gezwungen ein Tor zu schiessen, um nicht auszuscheiden. Mit den kläglichen Versuchen kopflos gegen das Tor des SV Reichenau anzurennen, konnte aber nichts erreicht werden, einerseit weil die Kräfte bei den meisten Akteuren langsam schwanden und die Einwechselspieler keine Verstärkung waren und andererseits weil der SV Reichenau in Unterzahl sehr geschickt agierte und insgesamt noch deutlich frischer wirkte. So konnte sich der TVK in der Verlängerung kaum zwingende Torchancen erspielen.
Die Einwechslung von Uwe Bratsch zu Beginn der zweiten Hälfte der Verlängerung brachte nochmal eine neue Qualität ins Spiel, zeigte aber gleichzeitig auch auf, was bisher sehr schlecht gelaufen war. Voraussetzung dafür war, dass er sich selbst sehr gut ins Spiel einfügte, was aber auch nur möglich war, weil die Mannschaft ihn zu Recht suchte und er dadurch in der kurzen Zeit seines Einsatzes sehr viele Ballkontakte hatte. Wenn ihm auch kein durchschlagender Erfolg beschieden war, so war doch sehr auffallend, was ein Spieler in dieser Mannschaft bewirken kann, der im Mittelfeld nicht irgendeinen Pass nach vorne spielt, sondern versucht, auf der Basis einer umfassende Übersicht über die aktuelle Spielsituation den optimalen Pass zu spielen. Diese Spielweise wurde natürlich dadurch begünstigt, dass der Gegner 2 Mann weniger auf dem Platz hatte, und Uwe dadurch viel Raum und Zeit hatte. diese Übersicht herzustellen. Das Spiel des TVK bekam dadurch insgesamt eine viel höhere Qualität. Es ist diese Fähigkeit, diese Art von Präsenz, mit der z.B. ein Frank Rijkard in seinen besten Zeiten als Innerverteidiger von der Mittellinie aus einen ungeheuren Druck auf das eigene Angriffsspiel ausgeübt hat.
Ein genereller Verbesserungsvorschlag zum Spiel des TVK betrifft die Einstellung zu Freistössen und Einwürfen. Hier ist man zu sehr im theatralischen gefangen und spielt zu wenig effizient. Eine situativ schnelle Ausführung eines Freistosses kann enorme Tempovorteile ermöglichen und kann insgesamt viel effizienter sein als ein theatralisch inszenierter Freistoss, den man hoch und weit vor das Tor schlägt und wo in der Regel der Gegner dann komplett im eigenen Strafraum versammelt ist, alle Spieler eng markiert sind und Kopfballstärke gefragt ist, die nur bei sehr wenigen Spielern des TVK ausgeprägt ist. DIe erste Voraussetzung dazu ist, dass der Spieler, der dem Ball am nächsten ist, nach dem Pfiff des Schiedrichters so schnell wie möglich zum Ball eilt und sich dabei permanent einen Überblick über die aktuelle Spielsituation erhält, um - nach Ballfreigabe - so schnell wie möglich den optimalen Pass zu spielen. Die restlichen Spieler müssen sich natürlich gleichzeitig optimal frei laufen bzw. nach vorne bewegen, um optimale Anspielstationen zu schaffen.
Für EInwürfe gilt das gleiche wie bei Freistössen: man lässt man sich ebenfalls zu viel Zeit und wirft den Ball meist zwanghaft nach vone ins Getümmel anstatt den Ball zu einem Mitspieler zu werfen, der den Ball anschliessend sicher kontrolleren kann. Solche Spieler sind idR quer oder nach hinten anzutreffen, wenn sich jemand dort geschickt anbietet. Ballbesitz ist beim Fussball viel wichtiger als Raumgewinn. Grundsätzlich ist jeder Einwurf, bei dem der Ball anschliessend nicht von der eigenen Mannschaft kontrolliert wird ein kleiner Skandal. Auch hier kann man Tempovorteil natürlich eher realisieren, wenn man den Ball nach vorne wirft aber nur, wenn er bei einem eigenen Spieler ankommt und der nicht zwangsläufig den Ball anschliessend verliert.
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Für dieses Spiel bleibt noch zu bemerken, dass Matthias, ein ausgeweisener reiner Rechtsfüsser, auf der linken Abwehrseite dadurch in einigen Situationen sehr hölzern wirkte, was ihm auf der rechten Abwehrseite so nicht passiert wäre.
Insgesamt ragten aus der guten Mannschaft Andreas Targan, der hinten wie vorne sehr konzentriert und sehr effizient spielte und besonders bei Kopfbällen glänzte und Armin Brack heraus, der sehr viel Spielwitz und technische Finessen im Aufbauspiel zeigte. besonders wenn er aus dem Mittelfeld kam, darüber hinaus bei Ballverlust in der Spitze in fast jeder passenden Situation auch sofort mit vollem Einsatz und sehr effizient störte und dadurch einige verloren gegangene Bälle schnell wieder zurück erobern konnte und in jedem Fall das Aufbauspiel des SV Reichenau aus der Abwehr massiv störte. Leider haben ihn seine Mitspieler bei diesem aggressiven Vorchecking zu selten optimal unterstützt.
Fazit: Trotz guter kämpferischer und konzentrierter Leistung und trotz der Tatsache, dass sich der SV Richenau selbst massivst geschwächt hatte, gelang kein Sieg, weil die Mannschaft als ganze und zu viele Spieler individuell zu wenig in der Lage waren, sich von ihren eingefahrenen Spiel-Dispositionen zu lösen und eine situativ angemessnere Spielweise zu praktizieren. Die Umsetzung einer situativ angemessenen Spielweise wurde in der Verlängerung vor allem auch dadurch erschwert, dass zuviele Spieler auf dem Platz waren, die zu wenig in der Lage oder willens sind, den Ball über längere Phasen im Mannschaftsgefüge zu kontrollieren.