05.08.2009 TV Konstanz : FC Steißlingen 0:6 (Bezirkspokal / Südbadischer Verbandspokal)
Aug 7, 2009
Author: Fabian Glasen

Löblicherweise scheint der TVK nun doch wieder regelmässig an den Spielen des Bezirkspokals teilzunehmen, ist dies doch die einzige Gelegenheit im Jahr, den Gefilden der Kreisliga C zu entkommen und sich mit höherklassigen Mannschaften zu messen. In diesem Jahr war sogar so etwas wie eine leichte Pokaleuphorie zu spüren. Zum ersten mal seit langem schickte man von der Papierform her eine wirklich gute Mannschaft ins Rennen und machte sich schon im Vorfeld intensiv Gedanken darüber, wie man die schwere Aufgabe gegen den FC Steißlingen mit Bravour würde lösen können. Die von Stefan zurecht vorgeschlagene strikte defensive Ausrichtung (mit Libero) wurde dann aber auf dem Platz nur sehr halbherzig umgesetzt. Der TVK agierte zwar mit Libero, Sascha legte diesen Part aber derart modern aus, dass die Rolle fast nichts dazu beitrug, die Abwehr zu stabilisieren. Auch die Mittelfeldspieler versuchten mehr "mitzuspielen" als der Abwehr, insbesondere dem Abwehrzentrum, die nötige Kompaktheit zu geben, was gegen diese junge lauf- und spielstarke Mannschaft des FC Steißlingen nötig gewesen wäre, um das Ergebnis einigermassen erträglich zu gestalten. Da ja alles bekanntlich seine Vor- und Nachteile hat, so hatte auch diese unvollkommene Umsetzung der angezeigten Taktik den Vorteil, dass Jochen im Tor endlich mal zeigen konnte, was in ihm steckt, und das ist, wie sich gezeigt hat, eine ganze Menge, auch wenn man, angesichts der nicht genutzten hochkarätigen Chancen, den Spielern des FC Steißlingen an dieser Stelle einen kleinen Defizit unterstellen muss, ohne die grossartige Leistung von Jochen im Tor an diesem Tag dadurch schmälern zu wollen. Auch die beiden Offensivkräfte des TVK hätten gut daran getan insgesamt etwas defensiver zu agieren, um der Defensive mehr Kompaktheit zu geben. Andererseits wäre der TVK dadurch mehr unter Dauerdruck geraten. So konnte man durch die Offensivaktionen die Abwehr auch etwas entlasten.

Bei sonnigem Wetter und auch am abend immer noch hohen Temperaturen fand dieses Spiel, das von einem jungen sehr guten Schiedsrichter geleitet wurde, auf perfektem Untergrund, geradezu auf Wembley-Rasen, statt.
Wer die Aufwärmaktivitäten des FC Steißlingen beobachtete konnte den Eindruck gewinnen, dass man bedauerte den Abend nicht für ein intensives Vorbereitungstraining nutzen zu können, weil man ein Pflichtspiel gegen den TVK absolvieren musste. Zumindestens versuchte man in der Aufwärmphase soviel wie möglich dazu beizutragen das beste aus der misslichen Lage zu machen.

Kurz nach Anpfiff war auch dem letzten Zweifler klar, dass dies heute abend für den TVK kein Spaziergang werden würde. Mit der jungen Mannschaft des FC Steißlingen war eine Mannschaft angereist, wie der TVK bislang noch nicht die Ehre hatte, eine zu empfangen. Bis auf einige kleine Defizite im Abwehrspiel und in der Chancenverwertung zelebrierte der der Gast aus Steißlingen das perfekte Fussballspiel, ein wahres Offensivfeuerwerk, in dem alles stimmte: Raumaufteilung, Kombinationsspiel (situativ optimal angepaßt, fast direktes Spiel und technisch brilliante Einzelaktionen bei hohem Tempo, Schaffung und Nutzung von Tempovorteilen, schnelles Umschalten von Abwehr an Angriff und umgekehrt, hohe Ballsicherheit, jeder einzelne mit grossen technischen Fertigkeiten ausgestattet und einer guten Übersicht, fast nur flaches Spiel, für die Zuschauer die reine Augenweide und für die Spieler des TVK Anschauungsuntericht auf höchstem Niveau, das die Mannschaft, soweit das möglich war, etwas aus ihrem eingeschliffenen Trott, der sich in unzähligen einschläfernden und frustrierenden Dienstags- und sonstigen kicks über die Jahre aufgebaut hatte, heraus riss. Leider präsentierten sich nicht alle Akteure des TVK in Bestform. Wirklich überzeugen konnten eigentlich nur Armin und Michael Blaich, der in der zweiten Halbzeit seinen Einstand für den TVK gab und sicherlich eine deutliche Verstärkung für den TVK darstellen wird, insbesondere, wenn die Mannschaft es schafft, sich auf ihn einzustellen. Ihn an das eigene Spiel zu adaptieren würde viel von seinen Möglichkeiten eliminieren. Auch Uwe Walentin hatte gute Tagesform, auch Thomas und Stefan konnten noch einigermassen mithalten.
Beeindruckend war auch die Spielfreude, die die junge Mannschaft aus Steisslingen an den Tag legte und die Tatsache, dass sie sich, bis auf kurze Strecken in der zweiten Halbzeit, nicht von dem vergleichsweise gemächlichen Spiel des TVK einschläfern liess sondern ihr frisches und temporeiches Spiel unentwegt fortsetzte auch als ihr Sieg schon lange nicht mehr gefährdet war. Dennoch hatte der TVK seine Chancen, 2 durch Armin und 3 durch Michael Blaich, die, wenn sie hätten genutzt werden können, das Spiel noch mal hätten spannend machen können und mit sehr sehr sehr viel Glück, hätte sich der TVK vielleicht sogar in die Verlängerung retten können. Also ganz chancenlos war man nicht, auch wenn auf dem Platz im normalen Spielverlauf der Klassenunterschied grass zu Tage trat.

Das Spiel begann mit einem schwer verständlichen frühen Eigentor nach einer Ecke des FC Steißlingen. Martin fiel der Ball auf den Fuss und er schien eine sanfte Rückgabe auf den Torwart machen zu wollen, schob den Ball aber ganz sanft mit links ins eigene Tor. Aus einem weiteren Eckball ergab sich kurze Zeit später das 0:2 und als Dietmar später den Ball im Mittelfeld in einem Zweikampf verlor, lief der Zweikampfsieger halblinks in hohem Tempo ungehindert auf das Tor des TVK zu, und da sich ihm niemand entgegen stellte, konnte er ungehindert abziehen und so das 0:3 erzielen. Solche Situationen, in denen Spieler des FC Steißlingen solo ungehindert durch das Mittelfeld und dann durch die völlig offene Innenverteidigung - ohne Gegenwehr - in den Strafraum vordringen und dann nur noch von Jochen gestoppt werden konnten, ergaben sich vor allem in der zweiten Halbzeit häufig. Offenbar war dies eine taktische Vorgabe des Trainers des FC Steißlingen, die dieser in der Pause seinen Spielern gegeben hatte. Hieran wird deutlich dass man beim TVK noch nicht erkannt hat, dass es das Wichtigste ist, gerade in der Innenverteidigung die Räume eng zu machen und sich spätestens in Strafraumnähe dem angreifenden Spieler entgegen zu stellen, auch wenn man selbst schon einen anderen Gegenspieler deckt. Nach dem Tor wirkten viele Spieler des TVK zunächst kurzfristig stark geschockt. Sie bewiesen aber dennoch "Moral" fanden aber schnell wieder ins Spiel zurück.

In der zweiten Halbzeit stürmte der FC Steisslingen ungestüm weiter, zeigte weiterhin ein klasse Spiel. Mit 2 korrekten Elfmetern und einem aus dem Spiel heraus erzielten Tor konnten sie das Endergebnis locker auf 6:0 hochschrauben. Dennoch kam der TVK in der zweiten Hälfte in der Offensive etwas besser ins Spiel, woran die Einwechslung von Michael Blaich sicher grossen Anteil hatte. Auch die Einwechslung von Tilly kurz vor Schluss brachte auf der linken Abwehrseite mehr Stabilität.

Während die Spieler des FC Steißlingen nach dem Spiel noch ausliefen, gab es angesichts von Andreas Targans Geburtstag für die TVK-Spieler Würstchen mit Bier; Bobbes stand am Grill und fachte ein ums andere mal das Feuer an, indem er viel Wind machte. Der Abendhimmel mit Vollmond spielte auch mit, sodass der Abend insgesamt einen versöhnlichen Abschluss fand.

Fazit: Dank Jochen eine zweistellige Niederlage gegen eine in jeder Hinsicht vorbildliche und großartig aufspielende Mannschaft des FC Steißlingen abgewendet, hoffentlich etwas aus dem Trott gerissen worden, und hoffentlich etwas gazu gelernt, insofern eine gelungene Trainingseinheit für die kommende Saison. Trainingseinheiten von der Art würde man sich zumindest als engagierter Zuschauer und Begleiter des TVK und als begeisterter Fussballfan mehr wünschen. Davon sind auch mehrere nötig, wenn man sich gegenüber der letzten Saison verbessern will. Insgesamt fällt auf, dass der bisherige Trott nicht nur keinen Fortschritt ermöglicht, sondern eher zum Rückschritt führt. Man sollte vielleicht darüber nachdenken zumindest am Donnerstagstermin etwas neues, mehr Frische und mehr Klasse ins Spiel zu bringen und noch einige derartige Vorbereitungsspiele ins Vorbereitungsprogramm für die kommende Saison zu nehmen. Nur so kann man die Potentiale der neuen Spieler auch positiv integrieren und verhindern, dass sie im seichten Wasser untergehen.

Fotos zum Spiel