Zum Wechsel der Mannschaft zum TV-Konstanz



Nicht um jeden Preis FC Wollmatibgen III

Wollmatingen III: Der Name hatte in der Kreisliga C einen guten Klang. Jahrelang hatte die Mannschaft regelmäßig in der Spitzengruppe gespielt; anfangs war sie von den Gegnern noch als dritte Mannschaft belächelt worden, die man locker "wegputzen" würde. Doch rasch machte sich Wollmatingen III einen Namen als Team, das bekannt war für viele Tore und seine Fairness (keine roten, kaum gelbe Karten).

Ausgerechnet nach zwölf Jahren gelang 1995/96 die erste Meisterschaft (übrigens mit den meisten geschossenen Toren, den wenigsten Gegentoren und acht Punkten Vorsprung) - ausgerechnet, weil das Durchschnittsalter der Mannschaft längst jenseits der 30 lag. Ohne Übertreibung könnten sich bei manchen Begegnungen Vater und Sohn gegenüberstehen; zwei der Leistungsträger des Teams haben die 40 schon hinter sich.

Gegnerische Mannschaften rätseln seit Jahren über das Geheimnis des Erfolges. Am Training kann's nicht gelegen haben; was soll man auf die respektvolle Feststellung eines Gegners, man trainiere sicher mindestens zweimal die Woche, entgegnen, ohne ihn zu desillusionieren? Schließlich hat sich die Mannschaft unter der Woche, wenn überhaupt, immer nur zu dem getroffen, was ihr am meisten liegt: Fußballspielen.

Jetzt gibt es die dritte Mannschaft des FC Wollmatingen nicht mehr, oder richtiger gesagt: Sie heißt nicht mehr so. Die Nachricht machte in der Kreisliga C rasch die Runde, verbunden mit der Verwunderung, warum ein komplettes Team ausgerechnet nach der ersten Meisterschaft seinen Verein verlässt. Übrigens fragte niemand, warum man ausgerechnet zum TV Konstanz gewechselt sei; die Frage erübrigt sich für jeden, der die schöne Sportanlage am Konstanzer Schänzle kennt.

Also: warum der Vereinswechsel? Die Antwort gibt indirekt der Mannschaftsname: Wollmatingen III war eine dritte Mannschaft und fühlte sich innerhalb des Vereins auch oft als solche behandelt. Wie in einer kinderreichen Familie musste man die Trikots der zweiten Mannschaft auftragen; die dritte Mannschaft war stets die erste, die auf einen Hartplatz ausweichen musste; eine eigene Trainingszeit gab es überhaupt nicht. Nebensachen wie zum Beispiel das Waschen der Trikots oder andere schmutzige Wäsche trugen ein Übriges dazu bei, einen Vereinswechsel, der seit Jahren in der Luft lag, zu forcieren.

Eine neue Wunschadresse war rasch ausgemacht: Die gute Atmosphäre beim TV Konstanz ist schließlich stadtbekannt. Jetzt steht die Mannschaft auch formal auf ihren eigenen Beinen. Natürlich verstehen sich die Spieler als vollwertige Vereinsmitglieder (und tragen die neuen Trikots mit dem Schritzug TV Konstanz mit dem entsprechenden Stolz); doch die Abteilung Fußball wird nun selbstverwaltet (was, um das auch mal zu sagen, nicht nur ganz schön viel Arbeit bedeutet, sondern auch viel Geld kostet: Trikots kaufen und bedrucken lassen, Gebühren für die Anmeldung zum Spielbetrieb, Schiedsrichter bezahlen, Spielerpässe kaufen et cetera).

Ob es nun am neuen Verein lag, am schönen Platz, am guten Ruf: Innerhalb weniger Wochen kamen so viele neue Mannschaftsmitglieder wie sonst nur im Verlauf mehrerer Jahre. Der Kader umfasst mittlerweile an die zwanzig aktive Spieler; man kann sich lebhaft vorstellen, dass so etwas nicht unproblematisch ist, wenn jeder spielen will. Entscheidender aber ist, dass auch die neuen Spieler ihren Teil zu dem beitragen, was den Charakter dieser Mannschaft seit Jahren prägt: Spaß am Fußball haben und siegen wollen; aber nicht um jeden Preis.

Tilmann Gangloff